2013-07-15 09:51

ECO Platform Launching Event


With an event at Sofitel in Brussels, the ECO Platform is celebrating the official establishment and providing information to all interested stakeholders.


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2013-06-20 15:51

Komplexes einfach machen!


Ein Buch, das die Relevanz von Nachhaltigkeit für das Handwerk praktisch erklärt.


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2013-06-04 12:35

ECO Platform founded


On the way to a European Core EPD Christian Donath appointed as Managing Director


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Bauprodukte im Zeitalter der Nachhaltigkeit

2010-09-29 18:00 von Christian Donath

Einheitliche Regeln für Umwelt-Produktdeklarationen (EPD) in Europa

Dipl.-Ing. Christian Donath, Inhaber Consulting Donath
Dipl.-Ing. Christian Donath

 

Autor: Dipl.-Ing. Christian Donath im Auftrag des "Institut für Bauen und Umwelt e. V. - IBU"

 

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Der Immobilienmarkt hat längst auf den Nachhaltigkeitstrend reagiert. Gebäudezertifizierungen wie LEED, BREEAM oder DGNB versuchen den Grad der Nachhaltigkeit von Immobilien zu messen. Im gewerblichen Neubaubereich ist Green Building bereits ein „must have“ geworden. Und für den Wohnungsbau sowie den Gebäudebestand allgemein ist die Entwicklung von Bewertungskriterien in vollem Gang.

 

Auch die europäische Gesetzgebung hat sich des Themas mit umfassenden Maßnahmen angenommen. Neben der Energieeinsparverordnung (EnEV) als Umsetzung der europäischen Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) und dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) als Umsetzung der Waste Framework Directive (WFD) ist hier vor allem die Bauproduktenverordnung (Construction Product Regulation – CPR) zu nennen. Die derzeit in der politischen Abstimmung befindliche Bauproduktenverordnung wird die bestehende Bauproduktenrichtlinie (Construction Product Directive – CPD) ersetzen. Anders als Richtlinien, die einer nationalen gesetzlichen Umsetzung bedürfen, sind Verordnungen kurz nach Inkrafttreten direkt gesamteuropäisch gültig. Erwartet wird dies für den 1. Juli 2013.

 

Der Gebäudelebenszyklus im Fokus

 

In der Bauproduktenverordnung werden Anforderungen an Bauprodukte zu verschiedenen Basisanforderungen beschrieben, wie beispielsweise Tragfähigkeit, Brandschutz oder Schutz von Gesundheit und Umwelt. Gegenüber der Bauproduktenrichtlinie wurde in der neuen Verordnung vor allem die Basisanforderung 3 („Hygiene, Gesundheit und Umwelt – gefährliche Stoffe“) im Sinne der Nachhaltigkeit überarbeitet. Zudem wird eine neue Basisanforderung 7 „Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen“ eingeführt.

 

Zur Erarbeitung der grundlegenden Methodik, beauftragte die EU Kommission bereits vor Jahren das Europäische Komitee für Normung (Comité Européen de Normalisation - CEN) mit der Entwicklung der normativen technischen Grundlagen für die Einführung von Eurocodes (EU-einheitliche Regelungsbemessung im Bauwesen) der „zweiten Generation“. Die Bezeichnung „Zweite Generation“ steht dabei für einen integralen lebenszyklusorientierten – also „nachhaltigen“ - Ansatz.

 

Auf Gebäudeebene arbeitet eine Arbeitsgruppe an Methoden und Kriterien für die wirkungsbezogene Nachhaltigkeitsbewertung unter sozialen, ökologischen und ökonomischen Kriterien. Dieser Ansatz entspricht weitgehend dem der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Auch die anderen populären Zertifizierungssysteme LEED und BREEAM arbeiten fieberhaft an einer Integration des neuen europäischen Gedankens in ihre Bewertung.

 

Eine wesentliche Grundlage für die wirkungsbezogene Bewertung, sind zuverlässige und einheitliche Produktdaten. Für die ökologischen Produktdaten existiert bereits eine vorläufige Euronorm. In ihr ist die Erstellung von Umwelt-Produktdeklarationen (Environmental Product Declarations - EPD) geregelt.

 

Die EPDs enthalten ökobilanzbasierte Informationen zur Umweltwirkung spezifischer Produkte. Betrachtet werden beispielsweise der Verbrauch von Energie und Ressourcen sowie der Recyclinganteil. Die in der EPD genannten Daten beschreiben Umweltwirkungen wie den Beitrag zum Treibhauseffekt oder zur Versauerung, Überdüngung, Smogbildung und, wenn relevant, zu jeweils spezifischen toxischen Wirkungen auf Mensch und Ökosystem. Die Deklarationen können auch Aussagen zu besonders umweltschonenden Produktentwicklungen enthalten sowie Hinweise auf die Nutzungsphase und zur Entsorgung bzw. Verwertung.

 

Schaffung einer einheitlichen Kern-EPD für ganz Europa

 

Obwohl mit der Schaffung einer „EPD-Norm“ für Europa sowohl methodisch, als auch inhaltlich weitestgehend einheitliche Anforderungen definiert sind, bleibt es nationalen Programmbetreibern überlassen, die EPDs an regionale Besonderheiten anzupassen, z.B. durch sinnvolle Ergänzungen. Wird dieser Prozess nicht koordiniert, so könnte der jetzt durch die Norm definierte einheitliche Stand der EPD zerfasert werden und schnell zu einer unüberschaubaren Vielfalt an unterschiedlichen EPDs führen.

 

Im Sinne der Produkthersteller und der Anwender liegt es jedoch, eine EPD zumindest im Kern für ganz Europa gültig zu machen. Regionale Ergänzungen sollen weiterhin möglich sein, jedoch klar abgegrenzt von der europäischen Kern-EPD, die in ganz Europa anerkannt wird. Auf diese Weise muss ein Hersteller nicht für jeden europäischen Markt eine eigene EPD erstellen lassen, was den Aufwand deutlich reduziert und gleichzeitig die Übersichtlichkeit erhöht.

 

Deutschland ist Vorreiter auf dem Gebiet der EPDs. Viele Produkthersteller haben bereits EPDs für ihre Produkte erstellen lassen und veröffentlicht. Dies verspricht Wettbewerbsvorteile im Marketing und in der B2B-Kommunikation. Ein Vorteil besteht auch im Rahmen von DGNB-Zertifizierungen, wo bei Verwendung von verifizierten Produktdaten aus EPDs auf Sicherheitszuschläge verzichtet wird. Deshalb wählen Architekten für Green Buildings häufig lieber Produkte, für die EPDs vorliegen.

 

Dieses Zusammenspiel ist sinnvoll und gewollt. Da die Umweltwirkungen von Bauprodukten meist maßgeblich von der Art und Weise des Einsatzes im Gebäude abhängt (konstruktive Lösung, Wartung, etc.) machen Umweltzertifizierungen für Bauprodukte nur bedingt Sinn. Ein Produkt kann im Sinne der Nachhaltigkeit richtig oder auch falsch eingesetzt werden. Erst die Betrachtung der Gesamtlösung auf Gebäudeebene macht eine fundierte Nachhaltigkeitsbewertung möglich. EPDs liefern die erforderliche Datengrundlage für die Gebäudebewertung.

 

Nutzbarmachung von EPD-Daten für die Gebäudezertifizierung

 

In Deutschland tritt das Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU) als EPD-Programmbetreiber auf. Als Initiative der Baustoffindustrie agiert das IBU in Abstimmung mit den Bundesministerien. Das IBU hat als einzige europäische Organisation bereits eine EPD-Umsetzung geregelt, die weitestgehend mit der neuen Euronorm übereinstimmt. Erfahrene Partner wie PE International bieten Herstellern die EPD-Erstellung entsprechend den definierten Regeln an. Anschließend wird die Regelkonformität vom IBU verifiziert. Auch mit den gängigen Bewertungssystemen, wie z.B. der DGNB, besteht ein ständiger Austausch, um die Relevanz der EPD für die Zertifizierungssysteme zu gewährleisten. International ist das IBU sowohl mit LEED als auch mit BREEAM in Gesprächen.

 

Um die Anerkennung der EPDs auf dem gesamten europäischen Markt zu erreichen, kooperiert das IBU mit Programmbetreibern anderer europäischer Staaten. Zunächst führt der Weg über bilaterale Anerkennungen. Mittelfristig ist der Aufbau einer gemeinschaftlichen Plattform zur Regelung einer einheitlichen Kern-EPD für ganz Europa geplant. Eine derartige Lösung wird von allen Parteien als gewinnbringend angesehen. Die Gespräche laufen erwartungsgemäß vielversprechend.

 

Auch Investoren und die Immobilienwirtschaft werden zukünftig von der jetzt auf den Weg gebrachten europaweit einheitlichen Regulierung profitieren - spätestens dann, wenn die ökologische Gebäudebewertung stärkeres Gewicht bei der Bewertung von Immobilien erhält.

 

Abdruck sowie Vervielfältigung nur nach Genehmigung durch den Autor.  

Christian Donath studierte Bauingenieurwesen an der TU Braunschweig. Nach dem Studium sammelte er über acht Jahre praktische Erfahrung in der Bauindustrie. Er wirkte im In- und Ausland in verschiedenen Funktionen an der Planung und Umsetzung von Bauprojekten mit. Seit einigen Jahren verlagerte sich sein Schwerpunkt zunehmend vom Projektmanagement zum innovativen und nachhaltigen Bauen.

Von 2008 bis 2010 war er als Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. maßgeblich an der Entwicklung und Einführung des Deutschen Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) und der zugehörigen Auditorenausbildung beteiligt. Er vertrat die DGNB im In- und Ausland und baute ein weit verzweigtes internationales Partnernetzwerk auf. 2009 wurde er in den Vorstand des internationalen Dachverbandes World Green Building Council berufen.  

Durch die Tätigkeiten der letzten Jahre ist bei Christian Donath ein übergreifendes Verständnis für die breite Themenpalette des Nachhaltigen Bauens vorhanden. Zudem entstanden Verbindungen in alle relevanten Branchenbereiche, zu Hochschulen, in die Politik und zu Interessenverbänden sowie ein umfassender Überblick über den neuen und dynamischen Markt.  

Heute ist er als unabhängiger Berater in der Immobilienbranche und für die Baustoffindustrie tätig.

 

Erschienen am 29.09.2010 im online-Magazin greenIMMO

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